Die Pflegeversicherung im Überblick

Wer heute pflegebedürftig wird, muss Kosten und Risiken nicht mehr ganz allein tragen. Dafür sorgt die gesetzliche Pflegeversicherung.

Pflegebedürftig kann jeder werden – im hohen Alter, aber auch bereits in jungen Jahren, beispielsweise durch einen Unfall. Die meisten Menschen möchten dann auch weiterhin in ihrer vertrauten Umgebung bleiben. Die Pflegeversicherung hilft ihnen dabei.

 

Wer ist pflegeversichert?

Die Versicherten einer Krankenkasse sind gleichzeitig auch Mitglied der entsprechenden Pflegekasse. Die Höhe des Beitrages richtet sich nach dem beitragspflichtigen Einkommen und beträgt 1,7 Prozent davon. Kinderlose Mitglieder zwischen 23 und 65 Jahren zahlen einen zusätzlichen Beitrag von 0,25 Prozent. Unter bestimmten Umständen sind Ehepartner und Kinder beitragsfrei mitversichert.

 

Für wen gilt die Pflegeversicherung?

Für alle, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung bei regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens auf Dauer – voraussichtlich aber für mindestens sechs Monate – in erheblichem Maße der Hilfe bedürfen.

 

Was bietet die Pflegeversicherung?

Die Pflegekasse übernimmt Leistungen für die häusliche und stationäre Pflege. Die Höhe ist für jede Pflegestufe gesetzlich festgelegt. Wird der Versicherte zu Hause gepflegt, kann er zwischen Pflegegeld und Pflegesachleistungen wählen. Beides kann auch miteinander kombiniert werden.

 

Pflegegeld erhalten Versicherte, wenn die Pflege von Angehörigen oder Bekannten ehrenamtlich übernommen wird. Folgende Beiträge werden gezahlt:

Pflegestufe I   –   235 Euro monatlich    

Pflegestufe II   –   440 Euro monatlich

Pflegestufe III   –   700 Euro monatlich

Regelmäßige verpflichtende Beratungsbesuche von Pflegefachkräften dienen dazu, die optimale Versorgung des Pflegebedürftigen zu sichern. Diese Einsätze bezahlt die Pflegekasse.

 

Pflegesachleistungen bezeichnen eine Art der Leistungserbringung, die durch professionelle Pflegefachkräfte in Form von Grundpflege und hauswirtschaftlicher Versorgung erbracht wird.

Zugesicherte Leistungen der Pflegeversicherung:

Waschen, An- und Auskleiden, Mobilisierung und Hilfe bei der Mobilität, Essenszubereitung und Hilfe beim Essen, Hilfe beim Toilettengang u.a.

 

Ambulante Dienstleistungserbringer rechnen direkt mit der Pflegekasse ab, und zwar bis zu folgenden Beträgen:

Pflegestufe I   –   450 Euro monatlich    

Pflegestufe II   –   1.100 Euro monatlich          

Pflegestufe III   –    1.590 Euro monatlich          

(in besonderen Härtefällen bis zu 1.918 Euro monatlich- bleibt unverändert)

 

Pflegehilfsmittel

Die Pflegekasse übernimmt die Kosten für bestimmte Pflegehilfsmittel, die die häusliche Pflege erleichtern. Für solche, die nur einmal benutzt werden können – wie beispielsweise Bettschutzeinlagen oder Einmalhandschuhe – werden bis zu 31 Euro pro Monat gezahlt. Technische Hilfsmittel wie Pflegebetten oder Hausnotrufgeräte werden vorrangig leihweise zur Verfügung gestellt.

Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen

Sind Umbauten notwendig, damit der Pflegebedürftige in seiner Wohnung selbständiger leben bzw. besser gepflegt werden kann, können bis zu 2.557 Euro Zuschuss pro Maßnahme gezahlt werden. Die Höhe dieser Leistung ist jedoch abhängig vom Einkommen. Türverbreiterungen für Rollstuhlfahrer oder der pflegegerechte Umbau des Badezimmers gehören zu solchen Baumaßnahmen.

 

Ersatzpflege

Kann die Pflegeperson wegen Urlaub, Krankheit oder aus anderen Gründen nicht pflegen, übernimmt die Pflegekasse die Kosten für eine professionelle Ersatzpflegekraft für maximal vier Wochen und bis zu 1.550 Euro im Jahr. Springt ein naher Angehöriger oder eine in der häuslichen Gemeinschaft lebende Person ein, so wird das Pflegegeld der jeweiligen Pflegestufe weitergezahlt. Werden Mehrkosten wie Fahrgeld oder Verdienstausfall nachgewiesen, können bis zu 1.550 Euro erstattet werden.

 

Kurzzeitpflege

Eine kurzzeitige Heimbetreuung kann in Anspruch genommen werden, wenn die Pflege zu Hause vorübergehend nicht oder noch nicht ausreichend möglich ist. Die Pflegekasse zahlt für die pflegerische und die medizinische Versorgung sowie für die soziale Betreuung bis zu 1.550 Euro für maximal 28 Tage pro Kalenderjahr.

 

Vollstationäre Pflege

Ist eine häusliche Pflege nicht möglich, übernimmt die Pflegekasse die Kosten für die pflegerische Versorgung, die medizinische Behandlungspflege sowie für die soziale Betreuung in einem Pflegeheim, und zwar bis zu einem Betrag von:

Pflegestufe I   –   1.023 Euro monatlich

Pflegestufe II   –   1.279 Euro monatlich

Pflegestufe III   –   1.550 Euro monatlich

(in besonderen Härtefällen bis zu 1.918 Euro monatlich)

 

Pflegestufen

Je nach Schweregrad der Pflegebedürftigkeit berechnet sich die Höhe der Leistungen nach dem zeitlichen Pflegeaufwand. Dabei muss die Grundpflege (Körperpflege, Ernährung und Mobilität) gegenüber der hauswirtschaftlichen Versorgung überwiegen. Es werden drei Pflegestufen unterschieden. Bei einem Hausbesuch stellt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung den Grad der Pflegebedürftigkeit fest.

Besonderheit bei Kindern: Für Kinder ist ausschlaggebend, wie viel mehr Pflege sie im Vergleich zu gesunden Gleichaltrigen benötigen.

 

PflegestufeTäglicher Hilfebedarf

Stufe I – 90 Minuten, davon mehr als 45 Minuten in der

(erheblich pflegebedürftig)Grundpflege und zusätzlich mehrfach pro

Woche im Haushalt (erheblich pflegebedürftig)

 

Stufe II3 Stunden, davon mindestens 2 Stunden in der

(schwer-pflegebedürftig)Grundpflege, und zwar drei Mal täglich zu ver-

schiedenen Tageszeiten, und zusätzlich mehr-

fach pro Woche im Haushalt

 

Stufe III5 Stunden, davon mindestens 4 Stunden in der

(schwerst-pflegebedürftig)Grundpflege, und zwar auch nachts und

zusätzlich mehrfach pro Woche im Haushalt

 

2. Leistungen für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz

Menschen mit einem erheblichen Betreuungsbedarf aufgrund einer Demenzerkrankung, einer geistigen Behinderung oder einer psychischen Erkrankung können zusätzlich bis zu 2.400 Euro jährlich erhalten. Dieser Betrag ist zweckgebunden für spezielle Betreuungsleistungen einzusetzen.

In Abhängigkeit des Schweregrades der Fähigkeitsstörungen, können bis zu 100 Euro Grundbetrag oder ein erhöhter Betrag bis zu 200 Euro monatlich gezahlt werden.

Wichtig: Dieser Anspruch besteht auch, wenn Betreuungsbedürftige noch keine Pflegestufe haben.

Einzusetzen sind die Beträge für: Unterstützung im häuslichen Bereich oder Betreuungsgruppen, Tagesbetreuung in Kleingruppen oder ähnliches.

Neben dem bisher schon bestehenden monatlichen Zuschuss von 100 oder 200 Euro für zusätzliche BetreuungsleistungenI gibt es für Demenzkranke in der Pflegestufe 0 erstmals ein Pflegegeld.

Sachleistungen für Versicherte mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz:

Pflegestufe 0: 225 Euro
Pflegestufe I: 665 Euro
Pflegestufe II: 1.250 Euro
Pflegestufe III: 1.550 Euro

 

Pflegegeld für Versicherte mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz:
Pflegestufe 0: 120 Euro
Pflegestufe I: 305 Euro
Pflegestufe II: 525 Euro
Pflegestufe III: 700 Euro

 

3. Pflegezeit für berufstätige Angehörige

Berufstätige, die Angehörige pflegen, haben Anspruch auf Freistellung von der Arbeit für maximal sechs Monate. Dies gilt für alle, die in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten arbeiten.

Neben diesem Anspruch auf Pflegezeit besteht die Möglichkeit einer kurzzeitigen Freistellung für bis zu zehn Arbeitstage, um in einer akut auftretenden Pflegesituation die Versorgung sicherzustellen oder eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren.

4. Neue Wohnformen

Nachbarn, Wohngemeinschaften oder Bewohner betreuter Wohnanlagen können künftig ihre Ansprüche auf Pflege und auf hauswirtschaftliche Versorgung bündeln:

Bestellen sie die Leistungen gemeinsam, können sie die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel effektiver nutzen.